Pages Menu
Categories Menu

Gepostet by

Sieg und Verrat!

Mein guter Freund und Weggefährte in finsterer Stunde,

nehmt meinen Gruß aus der Ferne und wisset, dass mich nicht sehnlicher bewegt, denn der Gedanke, alsbald in unser friedliches Reich zurück zu kehren. Vieles ist geschehen auf diesem Feldzug und gerne bitte Ich Euch schon jetzt, alsbald den starken Met bereit zu stellen, auf dass Ich es Euch vor dem Kamin ausführlich zu berichten vermag bei einem gutem Trunke. Doch will Ich mich vorab nicht in Schweigen hüllen, denn zu groß ist das Erreichte und zu erschütternd das Erlebte.

Ja, wir haben gesiegt. Nachdem wir unter blutigem Tribut das Monster Kor’zuhl-et4 im vergangenen Jahr vernichten konnten, ist nun auch der mächtigste unter den Herolden, Shey ksun Aret gefallen. Mebreth, die Hexe der Pestilenz wurde getötet und die Negatoren sind nicht mehr. Naja, und die verderbte Spiegelwelt ist wohl auch endgültig untergegangen. Obgleich meine Klinge niemanden der genannten zu verletzen vermochte, so haben auch wir unseren Anteil am Siege erstritten. Denn waren es nicht die Krieger des Blutpaktes, die stets mit Macht über die Horden des Feindes fuhren? War es nicht die Eiserne Faust, die standhaft im Felde zu jeder Zeit ihre Position behauptete? Und haben nicht die Schilde Hirschfurtens unsere Freunde gemäß unserem Wahlspruch stets zu schützen gewusst?

Aye, das wohl, so will Ich es Euch berichten. Denn während vermeintlich wichtigere Personen sich um die Führung des Feindes kümmerten und Intrigen voll Magie und List ersannen, waren es die einfachen Männer und Maiden im Felde, welche die Truppen des Feindes in ihre Schranken wiesen. Mit ihrem Blut, ihrem Schweiß und durch ihre Kraft wurde der Sieg errungen. Archonten und Nyamen mögen Macht besitzen und über Tausende gebieten. Doch ihre Namen wechseln schnell, denn all zu ungeduldig sind die Elemente mit ihren Auserwählten. Was bleibt, und das wisst Ihr mit all Euren Sommern nur zu gut, was bleibt ist die Ehre des Kriegers, die Glorie seiner Taten und der Ruhm seiner Siege. Wir erinnern uns an jene, die mit Mut und Stahl für die gerechte Sache kämpfen, ob sie siegen oder fallen. Allen anderen winkt nur graues Vergessen und ewige Reue über nie geschlagene Schlachten und nie begangene Taten.

Und deshalb mein Freund, genau deshalb kämpfen wir in Mythodea Seite an Seite mit den Barbaren. Denn wieder einmal sollte sich zeigen, dass sie es sind, auf die man sich im Felde verlassen kann. Auch haben sie gelernt, die unbändigen Kräfte des Paktes effizienter und effektiver im Schlachtgetümmel einzusetzen. Denn bereits auf dem Thing des Paktes im Lande der Grauen Raben wurde beschlossen, eine neue Befehlsstruktur zu wagen. Drei Marschälle sollten die Geschicke des Paktes leiten, unter ihnen vier Generäle die Taktik im Kampfe befehligen. Was soll Ich dir sagen, es funktionierte ausgezeichnet. Zumindest funktionierte es meistens recht gut. Das ein oder andere Abstimmungsproblem während den Kämpfen, hier und dort eine kleine Unklarheit, wer gerade den Befehl hat. Dennoch, alles in allem konnten die Manöver und Ideen der Befehlshaber überzeugen. Und da wir nicht gegen Menschen fochten, sondern das Gezücht finsterster verfemter Abgründe, will Ich auch nicht allzu kritisch mit der Tatsache ins Gericht gehen, dass wir ein ums andere mal mit immenser Übermacht über einen so unterlegenen Feind herfielen, dass man uns gar Barbarei hätte vorwerfen können.

Du weißt, Ich bevorzuge den ehrlichen Kampf, nicht das Niedermetzeln von Schwächeren. Doch Mythodea ist nicht das Reich Haralds, das Gebiet um die Weltenschmiede nicht Hirschfurten. Hier müssen andere Maßstäbe angesetzt werden und so will Ich auch jederzeit für die Generäle einstehen und für sie sprechen, denn gut war ihr Dienst!

Doch wo Licht, da auch Schatten. So jedenfalls sagt es der Wahlspruch unserer Verbündeten, des Schattenpaktes. Hätte Ich gewusst, wie tief diese Schatten sein können, und dass Ihre Dunkelheit es vermag, den Geist lichterer Gemüter zu korrumpieren, wer kann schon sagen ob es jemals zu unserem Bund gekommen wäre. Was Ich Euch zu berichten gedenke ist in seiner ganzen niederträchtigen Vollständigkeit nur für das Kaminzimmer bestimmt. Denn noch während Ich diese Zeilen schreibe, steigt in meinem Geiste all der Ekel, all die Abscheu empor, die sich meiner Bemächtigte, als Ich in dunkelster Stunde dem Verrat anheimfiel. Lasst Euch einen Kelch vom starken Honigbrandt bringen, denn was Ihr lesen werdet wird Eure Wut erwecken und Euch zu grimmigen Gedanken leiten.

Nichts Geringeres als Verrat musste Ich erleben. Verrat durch Verbündete, Verrat durch Freunde, …Verrat durch meine eigenen „Getreuen“. An einem normalen Abend, nach geschlagener Schlacht und nach gutem Schmause im Lager wurde sich meiner bemächtigt. Eine weitreichende Intrige, von langer Hand vorbereitet. Gelockt ins Lager unserer Freunde, betäubt mit finsterer Magie kam Ich erst wieder zu Bewusstsein, als man mich einer Kreatur ausgeliefert hatte, die so abscheulich war, dass mir schier die Worte fehlen. Ein Geschöpf, so abartig, dass Ich mich eher dem ganzen Süden alleine entgegen stellen würde, all jemals wieder in die Lasterhöhle dieser Furie zurück zu kehren. Sie war auf meine Ehre, meine Würde und meinen Stand aus, das wusste Ich beim ersten Blick in Ihre vom Wahnsinn gezeichneten Augen und man hatte sie auf mich gehetzt, um mir nicht nur die genannten Attribute zu entreißen, oh nein! Man hatte sie vorrangig auf mich gehetzt, ganz einfach zum Vergnügen. Der Kampf gegen die Bestie sollte der Verlustierung dienen, der Befriedigung niederster Bedürfnisse nach Amüsement. Und das auf meine Kosten!

Ohne Waffe, nur mit leichter Kette gerüstet, jedoch niedergeworfen, gegen das unterste anzutreten, was die Gosse zu bieten hat. Ihr seid niemals in dieser Situation gewesen mein guter Freund, und nicht im Traume wünschte Ich dies irgendwem. Zum Glück gelang es mir, mich aus dem Dunstkreis des Sukkubus zu flüchten und auch den Moloch zu verlassen, in den man mich verschleppt hatte. Denn obgleich unbewaffnet, sind meine Fäuste doch zu gebrauchen, und so erkämpfte Ich mir meinen Weg in die Freiheit durch grünes Blut und unter dem Gejohle allen Abschaumes, den der Tross aufzubieten fähig war.
Mich schüttelt es geradezu, denke Ich an jene Stunden zurück. Und voll Gram bleibt mir nur, den Kopf zu schütteln ob der Verantwortlichkeiten, die sich zu diesem Vorfalle herausstellen sollten. Für die ganze Geschichte werden wir mehr brauchen als eine Flasche vom dunklen Met, doch dies sei dir bereits berichtet:

Barnabas, der vermeintliche Drahtzieher, liegt nun auf kaltem Grund, geköpft von seinen Brüdern und Schwestern des Schattenpaktes. Ein weiterer aus diesem Verbund sollte sein Ohr verlieren, ein anderer seinen Schwanz.
Diese Trophäen werden auf kommenden Feldzügen zur Schreckung unehrenhafter Elemente ausgestellt werden. Das Blut ist zu recht geflossen, doch vermag es mir nicht die rechte Genugtuung bereiten. Denn schwerer noch wiegt der Frevel einiger meiner eigenen Mannen. Angar, mein treuer Weggefährte und Freund stellte sich seiner Verantwortung und wird nun Buße tun. Und auch Horst, Erik und Heinrich sahen nach Widersprüchen und Verleumdungen am Ende keinen anderen Weg als zu gestehen. Ihr könnt Euch meine Enttäuschung nicht vorstellen, als sie mir ins Gesicht sagten, dass es ihnen sogar Vergnügen bereitet hätte. Sie sind schlimmer als das, was sie auf mich gehetzt haben. Doch sie werden viel Zeit haben, ihre Vergehen zu bedenken. Denn wenn es mich zunächst reizte, Sie niederzustechen wie der Schlachter es mit Schweinen tut, so kam mir doch ein noch besserer Gedanke. Ich ließ sie in Ketten legen und wohl versorgen. Die drei sollen direkt nach unserer Rückkehr in das Straflager Arnulfsruh auf der anderen Seite des großen Flusses in den Ranzlanden verbracht werden. Ihr Los ist es, trockenes weißes Brot und Frösche zu verzehren, während die Krankheiten der Sümpfe ihre feisten Körper auszehren und sie der Niedertracht der Wärter ausgesetzt sind. Der Tot wäre eine Gnade dagegen.

Aber genug davon. Denn wollte Ich Euch eigentlich von Schlachten und Siegen berichten, so soll mein Brief Euch nicht zum gerechten Zorne reizen. In wenigen Tagen werden wir das Schiff nehmen, das uns zurück ins Reich des Königs bringen wird, und von den Gestaden bald weiter in die Heimat ziehen. Erwartet unsere Ankunft, denn Ich will mich nicht in der Burg zur Ruhe legen, bis Euch nicht alles berichtet sei. Bis dahin verbringen wir die Tage in der neuen Residenz in Blutgart, der Stadt des Paktes, die unseren treuen Verbündeten den Lona einst Herz und Blüte ihrer Kultur ward. Das Haus ist stattlich und schön geworden und repräsentiert uns wohl in dieser fernen Welt. Aber auch davon berichte Ich Euch wenn es soweit ist.
Trefft Vorbereitungen für eine Überquerung der Südfurt und lasst in drei Wochen einen Ochsen schlachten, damit unsere Rückkehr angemessen gefeiert werden kann. Ich freue mich, Euch wieder zu sehen.

Bis dahin weis Ich das Furtenland gut von Euch verwaltet und verbleibe mit unserem Gruße

Dem Freunde zum Schutze, dem Feinde zur Schand,
für Odin, für den König, fürs Hirschfurtner Land

P. S.
Sollte irgendein zwielichtiges Gesindel auftauchen und Unruhe stiften oder Forderungen stellen, so lasst ohne zu zögern ihre Köpfe nehmen und verbrennt die Kadaver. Es gibt weder eine Eheschließung noch einen Vertrag! …und in Hirschfurten bin nach wie vor Ich das Gesetz und erlasse, dass niemand etwas anderes behaupten darf!

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.