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Der Glaube in Hirschfurten

Der Glaube in Hirschfurten

 

Im religiösen Leben der Hirschfurtener treffen zwei Einflüsse aufeinander, die zwar verwand, aber dennoch verschieden sind. Zum einen der traditionelle Glaube der Urbevölkerung, in dem die alten Götter in den Bergen und Wäldern leben, Aspekte der umgebenden Natur wiederspiegeln und sowohl helfend als auch strafend in die Belange der Menschen eingreifen. Zum anderen der Glaube, den Harald I mit seinen Eroberern ins Land brachte, in dem die Götter, gleichwohl man sie als eben jene erkannte, die bereits verehrt wurden, in ihren himmlischen Hallen wohnen, der Allvater Odin über allen thronend, als mächtiger Heerführer, weiser Beschützer und gestrenger Richter.

Die einfache Landbevölkerung und in Hirschfurten vor allem die Bewohner der alten, nördlichen Siedlung Brunsbach, hängen auch heute noch stark an ihren alten Bräuchen und religiösen Gewohnheiten. Dies ist zum einen sicher damit zu erklären, dass hier das Blut der Alten noch recht wenig fremde Einflüsse erfahren hat, zum anderen gebietet die Nähe zu den nördlichen Bergen, an deren Ausläufern das Dorf liegt, sowie die dichten umgebenden Wälder, sich auf eine Weise mit der Natur auseinander zu setzen, die in den Städten oder der Hirschburg nicht zwingend als notwendig erscheint. Hier werden uralte Bräuche praktiziert, so dass beispielsweise das Julfest ein wenig finsterer ausfällt als in anderen Teilen des Landes und den Hirschelmännchen wird nachgesagt, dass sie bei Missachtung ihrer Bedürfnisse nicht nur ihr Tagwerk liegen lassen, sondern darüber hinaus undankbare Nutznießer zu strafen wissen…

In Hirschburg und Eichenwingen, wo viele Handwerker und Soldaten beheimatet sind, haben die Gebräuche der Haraldinger stärkeren Einzug gehalten. Hier ist man nicht so stark vom Wohlwollen der Naturkräfte abhängig wie im Norden, was den Umgang mit ihnen gelassener macht und anderen Aspekten der Götterschar eine größere Bedeutung zukommen lässt. So streben die Streiter stets nach Ansehen bei den göttlichen Kriegern, Odin, Tyr und Thor, denn erst mit dem Kriegsvolk König Haralds I wurden den Götterfürsten klare Kampfesaspekte zugesprochen. Und erst mit den Eroberern kam der Glaube an die göttlichen Hallen ins Land, also jenen Orten, in denen die Verdienten bis zum Weltenende ihren gerechten Lohn empfangen dürfen. Und während die Soldaten bestreben, ruhmvoll und pflichttreu zu leben um dereinst von Walküren nach Walhall geleitet zu werden, erhoffen die Handwerker, Händler und Landwirte, in den Hallen ihrer Götter zu landen, wo auch ihnen ein ewiges Fest ansteht.

Die Ritter halten es seit Udareth, dem ersten Von Hirschfurten, stets mit den alten und neuen Bräuchen gut. Denn kein Träger dieses Namens vergisst, dass sein Stammvater aus dem Norden des Landstückes stammt, und dass die alten Götter und die Geister der Natur dem Geschlecht stets wohl gesonnen waren. Durch den Zufluss von adligem Blut aus dem ganzen Reiche haben sich jedoch auch die Jenseitsvorstellungen und das Weltbild des kriegerischen Kultes verfestigt. Und so ist jeder Ritter zu Hirschfurten gewiss, seine Ahnen nach einem erfüllten und ehrenvollem Leben im Dienste des Reiches an Odins Tafel in Walhall wiederzusehen, obgleich er auch stets darauf bedacht ist, die alte Tradition seines Hauses zu ehren. Spricht der Ritter vor einer Schlacht oft leise Worte an Odin, und haben seine Ahnen längst Heimdal, den Wächter des Götterreiches als ihren Patron erkoren, da dieser über den Regenbogen wacht, wie die Ritterschaft über die Furten, so zieht es ihn doch auch zuweilen in die dichten Wälder, allein, um in der Natur Erkenntnisse und Inspiration zu finden, Gaben, die die Geister des Landes jenen zukommen lassen, die sich nicht von ihnen abwenden und die Treue in ihrem Herzen bewahren.

Je nach dem, wen man also anspricht, wird man zur Antwort erhalten, dass die Götter den Verdienten auf strahlenden Thronen im Tode erwarten, oder aber als bärtige Wanderer durch die Wälder streifen und nur dann in des Menschen Leben eingreifen, wenn es gilt, uralten ehernen Gesetzen Geltung zu verschaffen.

Die Bräuche sind dabei von jeher gleich. Allem voran die Wintersonnenwende, das Julfest, welches so alt ist wie die Menschheit selbst, wird von einem jeden im Reiche hoch geehrt. Über den Sommer wird zu diesem Zweck der beste Met zurückgelegt, gutes Essen gelagert und wenn es soweit ist, das prächtigste Tier geopfert. Denn damit die Götter und Geister ein gutes Jahr bescheren ist ihnen nur das Beste gut. Ähnlich verhält es sich zum Mittsommer, zu dem den höheren Wesen für ihre Unterstützung im Jahr gedankt wird. Abgesehen von diesen Festen versucht man, weder den Zorn der Götter auf sich zu ziehen, noch ihre Gutmütigkeit allzu sehr auszureizen. Man lebt sein Leben, und wenn es einmal nötig ist, wendet man sich an gewisse Mächte. So gehen junge Frauen oft in die Wälder um sich den Segen Freyas zu sichern, deren Dienerinnen sich zuweilen an Quellen zeigen, und deren Erscheinen für den Betrachter Fruchtbarkeit und eine glückliche Ehe verheißen. Junge Soldaten hingegen zieht es in den allerkältesten Raunächten zu den heiligen Bäumen der Kriegsgötter, da man sagt, dass von diesen aus, und nur in solchen Nächten, die wilde Jagd zu beobachten sei. Diese zu erschauen ist eine besondere Ehre, da sich eine ganze Schar von Göttern samt Gefolge über den kalten Winterhimmel macht um Dämonen und böse Geister zu jagen. Wird dem Betrachter von der Gesellschaft zugenickt, so bedeutet dies Ruhm in kommenden Kämpfen, wird gar der Speer des Jagdmeisters ihm grüßend zugewandt, so ist ihm ein ehrenvoller Tod auf dem Schlachtfeld beschieden, ein Ehrenplatz in Walhall sicher.

Darüber hinaus sind die Götter natürlich stets von hoher Wichtigkeit, wenn es darum geht, Schwüre und Eide zu leisten, ob für den Dienst in der Wache der Furten, bei einer Eheschließung oder bei anderen feierlichen Gelegenheiten.

Die Diener der Götter sind dabei so verschieden, wie deren Aspekte selbst. Es gibt Kräuterfrauen, die zuweilen zurückgezogen in den Wäldern leben und ein besonderes Verhältnis zu verschiedenen Wesenheiten haben. Von den fortschrittlichen Alchimisten, wie sie in der Königsburg reichlich anzutreffen sind, von denen sich aber auch einer unter des Ritters Dach niedergelassen hat, werden sie zuweilen schräg angesehen, verfügen dafür aber über einen hohen Rückhalt in der Bevölkerung. Das Druidentum, wie es bei den Alten verbreitet war, kommt nurnoch selten vor, und auch nur in den abgelegensten Ecken des Reiches findet man einen solchen Erdendiener. Denn viele Riten werden von jenen begangen, die der Gesellschaftlichen Struktur entsprechend zuständig sind. Der Ochse zum Beispiel, welcher zum Julfest geschlachtet wird, fällt stets unter der Klinge des jeweiligen Landesherren, in Hirschfurten führt also der Ritter das Messer. Der besonderen Pflege der Bräuche und ihrer Bewahrung verschrieben haben sich jedoch Barden und Skalden, die durch das Land ziehen und die alten Geschichten erzählen, die Mythen um Götter und Geister, Dämonen und finstere Mächte, die um Feuer sich scharende Mengen mit den Sagen und den daraus resultieren Schlüssen zu einem guten Leben ermahnen, und die in herrschaftlichen Kaminzimmern die Adligen daran erinnern, dass ihre von den Göttern verfügten Rechte stets auch Pflichten mit sich bringen. Manche dieser weisen Männer und Frauen sind einfache Erzähler, die in alter Tradition weitertragen, was über Generationen seinen Wert behält. Andere wurden mit besonderen Gaben gesegnet, vermögen es Wahr zu sehen und zu sagen, in Naturvorkommnissen zu lesen oder die Runen zu befragen. Diese sind am höchsten geschätzt, denn sie kennen nicht nur die alten Gesetze, sondern können auch direkt den Willen der Götter erfragen.

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